Blog – Fotografie im Rennsport – Ausrüstung zum Einstieg

Rennsport-Fotos – was braucht man dazu?

Ab und zu werde ich gefragt, was als Fotoausrüstung erforderlich ist, wenn man Fotos im Bereich Rennsport macht. Für einen Laien ist es ein sehr komplexes Thema, aber auch ein Foto-Interessierter mit Basiskenntnissen ist oftmals damit überfordert. In Foren kann man sich informieren und es gibt auch viele Videos zum Thema im Netz. Meistens stellt man fest, dass die Profis aber auch Hobbyfotografen sehr oft mit sündhaft teurer Ausrüstung unterwegs sind. Es muss nicht das teuerste Equipment sein, um als Einsteiger und auch als Fortgeschrittener gute Fotos zu machen. Dazu mehr in diesem Beitrag.

Die Basis sollte eine schnelle Kamera sein oder besser gesagt, eine Kamera, die ein gutes Autofokus-System hat. Ganz moderne spiegellose Kameras bieten eine Motiv-Verfolgung durch das Autofokus-System in der Kamera. Dabei erkennt die Kamera automatisch das Objekt und verfolgt es dann. Es muss aber nicht unbedingt eine neue Kamera sein, eine gebrauchte ältere DSLR (digitale Spiegelreflex) tut es ebenso. Diese kann man für kleines Geld kaufen. Diese DSLRs haben zwar noch keine Motiverkennung jedoch einen definierbaren Zonen Autofokus, der zuverlässig das anvisierte Objekt im Fokusbereich verfolgen kann. Nicht ganz so komfortabel, aber auch sehr gut.

Es gibt Bei der Fotografie immer die Grundsatzfrage, ob Vollformat oder APSC mit kleinerem Sensor. Hier kann man sich aus meiner Sicht für Motorsport-Fotos den Aufpreis für Vollformat sparen, denn die kleineren Sensoren der APSC Kameras bieten durch den engeren Bildausschnitt (Crop-Faktor) auch einen Vorteil bei der Brennweite. Das noch kleinere MFT-System ist ebenfalls geeignet.

Da ich mein ganzes Leben fast ausschliesslich mit Canon fotografiere, werde ich mich in meinen unten angefügten Beispielen auf das Canon System beziehen. Es gibt jedoch gleichwertige Alternativen von anderen Herstellern. Wer ein anderes System hat, muss deshalb nicht wechseln.

Neben einem schnellen und treffsicheren Autofokus ist ein Autofokus-Joystick an der Kamera sinnvoll, um damit den Fokusbereich schnell verändern zu können. Es geht zwar ohne dieses Feature, jedoch es ist sehr hilfreich.

Genauso wichtig wie die Kamera ist das Objektiv. Es muss ausreichend Brennweite haben und schnell fokussieren können. Die Lichtstärke ist zweitrangig, denn die Fotos, mit denen Bewegung dargestellt werden soll, brauchen längere Verschlusszeiten. Da ist man eher mit Blende 8 oder Blende 11 unterwegs. Auf die teuren Telezooms mit durchgehender Blende 2.8 kann man aus meiner Sicht erstmal verzichten. Wichtiger ist eine Bildstabilisierung im Objektiv, die für Mitzieher nur die vertikalen Bewegungen ausgleichen kann. Das sind Fotos, bei denen man ein schnelles Objekt verfolgt, dadurch das Objekt (Fahrzeug) scharf im Bild ist und der Hintergrund durch die Bewegungsunschärfe verschwimmt. Je länger die Belichtungszeit, desto stärker ist der Effekt. Die horizontale Bewegung ist bei einem Mitzieher der bewusste Teil der Aufnahme. Dieser darf natürlich nicht von der Bildstabilisierung beeinträchtigt werden.

Ein Beispiel für einen Mitzieher.

Die Brennweite ist abhängig von der Entfernung zum Objekt. Es ist wichtig, möglichst viel vom aufzunehmenden Objekt (Fahrzeug) formatfüllend ins Bild zu bekommen; daher ist ein Telezoom wichtig. Für den Anfang ist ein 70-300mm Objektiv ausreichend, das man oft gebraucht sehr günstig bekommen kann. Wer mehr Brennweite haben möchte, der muss dann tiefer in den Geldbeutel greifen, denn ab 400mm wir es deutlich teurer und auch schwerer. Die langen Teles wiegen ab 1,5 Kilo aufwärts. Dies geht nicht nur ganz schön ins Geld, sondern auch durch das Gewicht in die Arme. Da ist man erstmal mit einem 600 Gramm leichten 70-300mm Objektiv besser aufgestellt.

Trotzdem kann auch eine Kamera mit einem „leichten“ Telezoom im Laufe des Tages schwer werden. Eine optionale Hilfe ist hier ein Einbein-Stativ. Damit kann man die Kamera horizontal bewegen, wenn man Fahrzeuge verfolgt, hat jedoch nicht dauernd das Gewicht in der Hand. Zusätzlich hilft das Stativ auch, die vertikalen Bewegungen bei Mitziehern zu verhindern. Der Nachteil ist, dass man nicht ganz so flexibel ist. Persönlich nutzte ich das Einbeinstativ nur extrem selten – trotzdem nehme ich es zur Sicherheit oft im Auto mit.

Über die geeigneten Kameraeinstellungen, die ich für meine Fotos verwende, werde ich noch einen Beitrag verfassen. Es stellt sich grundsätzlich die Frage, ob man mit Einzelbild oder Serienbild-Modus fotografieren soll. Ich habe über viele Jahre nur im Einzelbild-Modus fotografiert. Serienbilder bieten den Vorteil (wenn der Autofokus sauber im Serienbildmodus nachgeführt wird), dass man aus einer Serie später das beste Bild auswählen kann. Aber Achtung – da kommen ganz schön viele Fotos zusammen. Die Preise für Speicherkarten sind zwar mittlerweile sehr moderat und kein Hinderungsgrund mehr,. Das Datenvolumen ist das Problem. Die tausenden Fotos später bei der Nachbearbeitung zu bewältigen, ist ein riesiger Aufwand. Weniger ist oftmals mehr, zumal viele Kameras bei der AF-Nachführung im Serienbildmodus ihre Probleme haben. Da hat man im Endeffekt auch in einer Serie oftmals nur 1-2 scharfe Bilder, muss aber um diese Fotos zu finden 20-30 Bilder anschauen.

Bei der Qualität, aber auch bei der Speicherkapazität stellt sich die Frage, ob man die Fotos im RAW-Format oder als JPG machen soll. Zwar bieten RAW Aufnahmen erheblich mehr an Potential zur Nachbearbeitung, jedoch sind die JPG-Bilder aus der Kamera mittlerweile auf einem so hohen Niveau, dass man aus meiner Sicht oftmals auf RAW Bilder verzichten kann. Ich fotografiere mit 2 Speicherkarten in der Kamera. Auf der ersten Karte im JPG-Format und auf der Zweiten gleichzeitig mit RAW-Bildern. Die separaten RAWs habe ich bisher für meine Motorsport-Fotos nicht gebraucht. Im Vergleich zu JPG ist der Bedarf an Speicherplatz für RAW-Bilder auch erheblich größer. Bei der Bearbeitung von RAW Bildern geht es nicht nur um den Speicherplatz, sondern auch um die PC-Leistung, die man zur Bearbeitung der Fotos benötigt.

Da wir bei Kapazitäten sind, sollte auch noch ein Thema erwähnt werden – die Akkus. Auch wenn moderne Kameras extrem viele Bilder mit einer Akkuladung machen können, sollte man hier nicht sparen. Es schadet nicht, wenn man 2-4 Reserve-Akkus dabei hat. Besser 2 unbenutzte volle Akkus wieder mit nach Hause nehmen, als mitten am Tag wegen leerer Akkus keine Fotos mehr machen zu können. So eine Erfahrung ist frustrierend.

Hier noch eine Aufstellung auf Canon bezogen, was ich für den Einstieg empfehlen würde.

  • Kamera:
    Canon 7D oder besser 7D II, denn die hat einen wesentlich besseren Autofokus
  • Objektiv:
    Standard-Objektiv – EF-S 15-85mm IS USM oder das EF-S 18-135 IS USM)
    Telezoom – das EF 70-300 IS USM ist ein guter Einstieg
    Optional das EF 4.0 70-200 IS, was aber erheblich teurer ist
  • Zubehör:
    2-4 Akkus (besser 4 als 2)
    optional zusätzlich ein Einbein-Stativ
    Eine wasserfeste gut gepolsterte Tasche

Die von mir beschriebene Ausrüstung ist nur noch gebraucht erhältlich. Ein Gebrauchtkauf spart zwar viel Geld, birgt jedoch einige Risiken. Wer mit einer neuen Ausrüstung starten möchte hat den Vorteil der Herstellergarantie, die Ausrüstung ist neu und unverbraucht. Für diesen Fall würde ich die nachfolgende Zusammenstellung empfehlen:

– Kamera-Set Canon R7 mit Objektiv RF 18-150mm
– als optionales weiteres Objektiv das Canon RF 24-240mm
– für viel Brennweite das Objektiv Canon RF 100-400

Die Canon R7 ist momentan recht günstig zu bekommen, denn es wird in Kürze der Nachfolger, die Canon R7 II erwartet. Die Kamera ist sehr schnell und ein gutes Arbeitsgerät. Einzig der etwas magere Puffer ist ein Handicap, wenn man mit einer hohen Serienbildrate arbeitet. Beim Einsatz mit einer moderaten Serienbildrate ist es kein Problem.
Schon mit dem Kit Objektiv hat man einen sehr guten Brennweitenbereich. Die Lichtschwäche des Objektivs ist kein Problem, denn bei Belichtungszeiten mit 1/320 oder länger ist man bereits im Blendenbereich von mehr als Blende 8.
Das optionale Canon RF 24-240mm Objektiv bildet vom Bildwinkel einen auf Vollformat bezogenen Brennweitenbereich von 38-380mm ab, denn der kleine Sensor der Canon R7 macht durch den „Crop-Faktor“ von 1.6 einen kleineren Bildausschnitt. Mit diesem Brennweitenbereich ist man aus meiner Sicht gut aufgestellt.
Wer ganz lange Brennweiten verwenden muss oder will, kann das recht preisgünstige und für den Brennweitenbereich extrem leichte Canon RF 100-400mm Objektiv nehmen.

Durch die kamerainterne Objektiv-Korrektur werden die optischen Unzulänglichkeiten der Canon Objektive schon bei der Aufnahme korrigiert.
Alle 3 von mir genannten Objektive (RF-S 18-150mm, RF 24-240mm und RF 100-400mm) haben zwar keinen Schalter für den Bildstabilisator Modus, der bei Mitziehern nur die vertikale Bewegung korrigiert – jedoch wird die horizontale Bewegung durch die interne Kommunikation zwischen Kamera und Objektiv erkannt und es werden bei erkennbaren Mitzieher dadurch nur die vertikalen Bewegungen korrigiert. Ob auch Fremdobjektive auf diese Art funktionieren, kann ich nicht sagen. Im Laufe der Saison werde ich das jedoch testen und an dieser Stelle meine Erfahrungen mitteilen.

Es gibt auch Kamera Alternativen (neu und gebraucht) von anderen Herstellern. Neben APSC ist auch das noch kompaktere MFT-System von Olympus und Panasonic eine gute Option. Es würde den Umfang dieses Beitrags jedoch sprengen, wenn ich die fast unzähligen Optionen auflisten würde.

Noch ein Tipp zum Schluss: Bevor man (viel) Geld investiert, erst einmal die Ausrüstung verwenden, welche man hat. Die erste Investition sollte in ein passendes Objektiv getätigt werden, falls man das noch nicht hat. Sehr viele Kameras bieten erheblich mehr technische Möglichkeiten, als man meint.

Nicht durch die ersten missglückten Fotos frustrieren lassen – Übung mach den Meister.

Mit solch einer semiprofessionellen Ausrüstung sind – etwas Übung vorausgesetzt – schon sehr gute Ergebnisse erzielbar. Nachfolgend einige Beispiele, die ich mit der Canon 7D und der 7DII selbst aufgenommen habe:

Aufgenommen mit Canon 7D, 39mm, F 7.1 mit 1/125 sec
Canon 7D, 130mm, F 14 mit 1/160 sec
Canon 7D II, 50mm, F 5.6 mit 1/200 sec
Canon 7D II, 85mm, F 8 mit 1/400 sec
Canon 7D II, 78mm, F 14 mit 1/60 sec
Canon 7D II, 135mm, F 8 mit 1/60 sec
Canon 7D II, 210mm, F 9 mit 1/200 sec
Übrigens: So eine 7D (II) ist ein robustes Werkzeug und kann was einstecken